Unter Einzelgängern

Unter Einzelgängern

Christopher Kloeble

dtv Verlagsgesellschaft

Erscheinungsdatum: 2008

Seiten: 180

ISBN 978-3423246651

Taschenbuch: 8,90 €

 

"Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2008. Angela und Erich sind die Eltern, Simon und Katrin die Kinder. Doch reicht allein die Aufzählung der Mitglieder nicht aus, um von einer Familie zu sprechen. Zumal sich Erich und Angela schon lange ihre Nischen gesucht haben ebenso wie Simon und Katrin ihre eigenen Wege. Aber was passiert mit dieser Familie, wenn die Mutter mit 45 Jahren ums Leben kommt? Erich beginnt zu joggen, Katrin beginnt zu lieben und Simon beginnt zu schreiben - und erfindet sich eine ganz andere Familiengeschichte."

Eine Sterbeszene leitet die Geschichte einer Familie ein. Mutter Angela stürzt unglücklich im Hausflur und fällt mit dem Kopf auf eine Treppenstufe. Außer einer Wollmaus, die in Gedanken mit ihr spricht, ist niemand da. Und so stirbt sie.

Ihr Tod bringt die Familie sukzessive wieder zusammen, bis dahin flüchten sich jedoch alle Familienmitglieder in ihre eigenen Vorstellungen von Trauerbewältigung. Simon, der Sohn, schreibt für sein Leben gern und nutzt diese Situation, um sich kurzerhand eine neue Familiengeschichte zu erfinden. Diese Geschichte bildet ein Buch im buch, man taucht in zwei Familiengeschichten ein. Katrin, die Tochter, flüchtet sich in Liebschaften, ebenso wie Erich, der Vater, der plötzlich sein Übergewicht bekämpft und seine Trauer beim Sex mit anderen Frauen verarbeitet.

Er versucht, die Familie so gut es geht zusammenzuhalten. Nach und nach finden sie wieder zueinander, der Prozess ist für jeden Einzelnen auf seine eigene Art schmerzhaft und jeder versucht letztlich, die Trauer allein zu verarbeiten,

Bis schlussendlich alle Beteiligten am eigenen Leibe erfahren, was Familie eigentlich bedeutet und wofür sie steht.

 

Ich habe nur ein paar Stunden für dieses Buch gebraucht. Es ist normalerweise nicht unbedingt das, was ich lesen würde. Aber ich dachte, dass es doch mal an der Zeit wäre, etwas anderes auszuprobieren. Es hat sich gelohnt!

Man verschmilzt mit den Schicksalen, kann die Gedanken gut nachvollziehen und denkt über seine eigene Stellung in der Familie nach. Es ist berührend und hat heitere Momente.

Der Perspektivenwechsel macht es dem Leser leicht, das Seelenleben der Protagonisten zu verstehen. Es ist durchaus ein lesenswertes Buch, der Autor hat ein hervorragendes Debüt hingelegt.

Es ist fernab vom Mainstream, was auf den Bestsellerlisten auftaucht und ich wünsche diesem Buch mehr Aufmerksamkeit, behandelt es doch ein schweres Thema: den Tod eines Familienmitgliedes.

 

**** 4 von 5 Sterne

 

Der Autor:

Christopher Kloeble wuchs in Oberbayern auf und studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, unter anderem den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung für das beste Romandebüt 2008, ›Unter Einzelgängern‹, und für das Drehbuch zu ›Inklusion‹ den ABU-Prize für das beste TV-Drama. Er war Gastprofessor in Cambridge (GB) sowie an diversen Universitäten in den USA, zuletzt am Dartmouth College. 2012 veröffentlichte er viel beachtet den Roman ›Meistens alles sehr schnell‹, der u.a. auch in Israel und den USA erschien. Derzeit arbeitet er an der Verfilmung. Kloeble lebt in Berlin und Delhi.

 

Das Buch kann u.a. hier bestellt werden:

dtv

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