Traumberuf Buchhändlerin ?

Buchhändlerin - ein Traumberuf?

 

Wer viel liest und gerne von Büchern umgeben ist, der hat sicherlich schon mal drüber nachgedacht, wie es denn wäre, in einem Buchladen zu arbeiten.

 

Diese Frage habe ich mir natürlich auch immer gestellt und so hatte ich vor ein paar Jahren das Glück, im Rahmen eines Gewinnspiels bei einer großen Buchhandelskette mal einen Tag als Buchhändlerin arbeiten zu dürfen.

Ich war wahnsinnig aufgeregt und konnte diesen Tag kaum erwarten. Ich dachte, wenn mir das gefällt, dann schule ich noch mal um und erfülle mir meinen Traum (nach einem erfolgreich abgeschlossenen Geographie-Studium).

 

Ich kam also eines Samstag morgens zu dieser großen Buchhandelskette und wurde von einer Mitarbeiterin sehr nett empfangen. Man erlaubte mir einen Blick hinter die Kulissen und dann durfte ich auch schon in der Abteilung für Romane und Belletristik loslegen.

Erst mal stand ich natürlich ein wenig verloren rum, weil so früh wenig Kunden kamen.

Die Mitarbeiter waren alle sehr nett zu mir und beantworteten geduldig alle meine Fragen, die ich zum diesem ach so romantischen Beruf hatte.

Es füllte sich langsam und so wurde ich dann auch des Öfteren gezielt von Kunden angesprochen.

Ich habe Kunden bedient, Bücherstapel umgeräumt (in Gedanken eine Liste von Büchern gemacht, die ich mir am Ende des Tages kaufen würde), durch die Regale gestöbert und so neigte sich der Tag dem Ende zu.

 

Am Ende kam die Filialleiterin, fragte mich nach meinen Eindrücken und dann durfte ich mir aus einem großen Container ein paar Bücher (vermutlich Leseexemplare) aussuchen. Das war meine Belohnung und das fand ich richtig toll.

Alles in allem war es ein schöner Tag und das habe ich zum Großteil den sehr netten Mitarbeitern vor Ort zu verdanken.

 

Aber, und das hat mir der Tag vor Augen geführt: Der Job des Buchhändlers ist eigentlich nichts anderes als ein Job als Verkäufer im Einzelhandel. 

Zu der Zeit habe ich selber noch im Einzelhandel gejobbt und die Tätigkeit war die Gleiche, nur in einer anderen Branche. 

 

Kunden kamen zu mir, fragten gezielt nach einem Buch, wir gingen zum entsprechenden Regal, der Kunde kaufte es. Der Kunde kam, fragte nach einer Bestellung, ich verwies an die Dame an der Kasse. Man räumte hier ein Buch wieder an die richtige Stelle und dort verrückte man einen verrutschten Bücherstapel. Man ging ins Lager und holte Nachschub.

 

Ich hatte die romantische Vorstellung, dass Kunden einen ansprechen und nach Buchtipps und Empfehlungen fragen, dass man sich über gelesene Bücher unterhält, die Kunden ausgiebig beraten kann und derjenige dann mit einem Bücherstapel und dem Ausdruck des puren Glücks auf dem Gesicht den Laden verlässt. Ich wollte die Leute wirklich glücklich machen, so glücklich wie ich bin, wenn ich in einen Buchladen gehe, durch die Auslage stöbere und ein interessantes Buch nach dem anderen in meinem Korb landet.

 

Am Ende des Tages war ich von dem Beruf des Buchhändlers wirklich enttäuscht. Der Tag an sich war schön, wie gesagt. Aber die romantische Vorstellung von meinem vermeintlichen Traumjob war nach diesem Tag hin...!

Das mag vermutlich daran liegen, dass die Leute keine Zeit haben, zu stöbern (oder sie sich nicht nehmen), vieles direkt online bestellen oder den Büchern nicht den Wert zuschreiben, den ich ihnen zuschreibe. Es kann ja nicht jeder so bibliophil sein wie ich! Aber genau das habe ich wohl erwartet.

 

Letztlich sind so große Buchhandelsketten riesige Konsumtempel, die nur darauf abzielen, dass die Leute viel Geld da lassen. Welche Bedeutung Bücher für den Einzelnen haben, ist dort völlig irrelevant. Man verschwindet dort auch eher in der Anonymität. Man geht rein und wieder raus, ohne groß angesprochen zu werden. Man war da, wurde aber kaum zur Kenntnis genommen.

Anders mag das bei kleinen, lokalen Buchläden sein, die noch eher den persönlichen Kontakt zum Kunden suchen, öfter mal ein Pläuschchen halten, ein Buch empfehlen und über den neuesten Bestseller quatschen. Auch, wenn man dann nichts kauft, war es trotzdem ein befriedigendes Erlebnis. Und genau so hatte ich mir das eigentlich vorgestellt.

Problematisch ist dabei: die großen Konzerne kaufen lokale Buchläden auf und integrieren sie in ihre Geschäftsstruktur. So verschwinden diese heimeligen Läden nach und nach von der Bildfläche und immer mehr Buchhändler werden zu reinen Verkäufern, die eine Ware an den Mann bringen.

Eigentlich sehr schade, aber so ist nun mal der Lauf der Dinge!

 

Ich möchte hiermit den großen Konzernen nicht ihre Berechtigung streitig machen, ich gehe selber gerne wegen der enormen Auswahl dort Bücher kaufen. Aber den Job als Buchhändlerin hatte ich mir definitiv anders vorgestellt. Also umschulen werde ich nicht :-)!

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