Willkommen in Night Vale

Willkommen in Night Vale

Joseph Fink & Jeffrey Cranor

Erscheinungsdatum: 2016

Klett Cotta Verlag

Seiten: 378

ISBN: 978-3-608-96137-9

Gebundene Ausgabe: 19,95 €

 

"Das Schicksal ist schlimmer als der Tod. Das waren die Gesundheitsnachrichten."

Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen - und doch seltsam vertraut.

 

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte "King City" geschrieben stehen.

Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn - aber Jacke kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von "King City" zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat..."

Der Klappentext sagt eigentlich schon alles. Was er nicht sagt, ist: dieses Buch ist anders! Ich habe nie zuvor so eine abgedrehte Geschichte gelesen.

Mir fehlen irgendwie die passenden Worte...auf die Idee einer solchen Handlung muss man erst mal kommen! 

 

Das Buch ist wie ein Traum: manchmal (scheinbar) zusammenhanglos, schräg, skurril, unlogisch, absurd und stellenweise echt lustig. 

Es ist ein gesellschaftskritisches Werk, was mich zeitweise an Utopien erinnert hat, an Welten, deren Bevölkerung bei jedem Schritt (und hier auch deren Gedanken) überwacht wird.

In der Handlung ist alles anders, aber irgendwie doch so vertraut. 

Zu Beginn war die Geschichte verwirrend, so dass ich ein paar Kapitel brauchte, um mich darauf einzustellen. Im Laufe der Geschichte löst sich diese Verwirrung jedoch auf und man hält die Geschehnisse für "normal". 

Es ist fesselnd und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte weiter- bzw. zu Ende geht. Kurze Kapitel verführen dazu, immer weiter zu lesen.

Es ist eine absolut außergewöhnliche Geschichte, die sich schlecht einordnen lässt und ich würde behaupten, dass sie nichts für Jedermann ist. Man muss sich schon darauf einlassen, sollte das Genre Fantasy mögen und auch bereit sein, unlogische Begebenheiten einfach mal anzunehmen.

Der unkonventionelle Schreibstil trägt sein Übriges dazu bei.

 

Ich lese viel und kann mich manchmal gar nicht mehr an die ein oder andere Handlung eines Buches erinnern, aber ich weiß: diese Story wird mir im Gedächtnis bleiben und ist damals nicht umsonst von Denis Scheck (eigentlich Deutschlands derzeitiger Literatur-Papst, oder?) empfohlen worden. 

 

Ich habe erst spät davon erfahren, dass es seit 2012 Podcasts über das Städtchen Night Vale gibt und diese wohl die Grundlage für dieses Buch bilden. Diese kann man sich auf YouTube anhören. Zurzeit gibt es wohl über 100 Episoden, die auf die Skurrilität des Örtchens und seiner Bewohner eingeht. 

Diese Episoden sollte man laut diverser Foren wohl vor dem Lesen des Buches hören. 

Sie sollen zum besseren Verständnis der Handlung beitragen. Ich habe sie leider nicht gehört und jetzt im Nachhinein hat es vielleicht auch nicht viel Sinn. Aber wer vor hat, dieses Buch zu lesen, der sollte vielleicht doch besser vorher den Podcast hören. Das allerdings bei guten Englisch-Kentnissen.

 

"Willkommen in Night Vale" wird nicht jedem gefallen. Ich denke das Buch polarisiert und spaltet die Meinungen. Aber es ist, wie gesagt, mal etwas völlig anderes und ich wage vorsichtig zu behaupten, etwas wohl noch nie da gewesenes. 

 

**** 4 von 5 Sterne

 

Die Autoren:

Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die Autoren des Kult-Podcasts "Welcome to Night Vale" und der gleichnamigen Live-Tour, arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Fink, der Erfinder der Story, gründete bereits in jungen Jahren einen Kleinverlag. 

Cranor, der Theatermann, legte ihm die Idee zu einem Stück über eine Zeitreise vor - sie erarbeiteten es gemeinsam und führten die Zwei-Mann-Show 2011 (im New Yorker East Village) auf.

Night Vale, Finks neues Projekt, reifte in beider Zusammenarbeit heran, und die erste von inzwischen über 40 Folgen "Welcome to Night Vale" entstand. (Anmerkung der Rezensentin: mittlerweile müssten es über 100 Folgen sein).

Joseph Fink stammt ursprünglich aus Kalifornien, lebt heute jedoch woanders.

Jeffrey Cranor lebt im Staat New York.

 

Das Buch kann u.a. hier bezogen werden:

Klett-Cotta

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