Die erste Bindung

Die erste Bindung - Wie Eltern die Entwicklung des kindlichen Gehirns prägen

Nicole Strüber

Erscheinungsdatum: 2016

Klett Cotta Verlag

Seiten: 346

ISBN: 978-3-608-98058-5

Gebundene Ausgabe: 22,95 €

 

"Neurobiologische Fakten verständlich erklärt.

Das menschliche Gehirn ist dafür verantwortlich, wie wir fühlen und wie wir uns verhalten. Aber warum tickt das Gehirn bei jedem unterschiedlich? Warum kann der eine gut mit Stress umgehen und der andere nicht? 

Dieses Buch erklärt, wie Gehirn und Persönlichkeit eines Menschen durch seine Gene und seine vorgeburtlichen und frühkindlichen Erfahrungen geprägt werden und warum vor allem die frühen Bindungserfahrungen so wichtig für die weitere Entwicklung sind."

Die wohl wichtigsten (möglicherweise auch prägendsten) Abschnitte unseres Lebens sind laut der Autorin die 9 Monate vor und die ersten Lebensjahre nach der Geburt. In dieser Zeit werden die neurobiologischen Grundlagen der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes geschaffen. 

Schnell wird dem Leser klar, dass Gene und persönliche Erfahrungen eine große Rolle dabei spielen, wie wir und unser Gehirn sich entwickeln. Dass Stress schadet (nicht nur dem ungeborenen Kind) ist schon lange erwiesen. Aber warum das so ist, was Stress für Auswirkungen auf das (ungeborene) Kind hat, dies wird in diesem Buch eindrucksvoll erläutert. 

 

Das Hormon, welches sich wie ein roter Faden durch das Werk zieht, ist Oxytocin. Beim Kuscheln und Trösten wird dieses Hormon bei Mutter und Kind ausgeschüttet, der Stress abgebaut. Das Kind fühlt sich gut aufgehoben und entwickelt eine sichere Bindung zur Mutter. Dies wiederum bedingt eine glückliche und zufriedene Kindheit und später eine gut entwickelte, stabile Persönlichkeit mit hoher Sozialkompetenz. 

 

Interessant ist hierbei sicherlich, dass die meisten Mütter eine angeborene Intuition haben und wissen, was zu tun ist, wenn es dem Baby augenscheinlich nicht gut geht. Feinfühligkeit ist dabei wohl mit das Wichtigste, um die Bindung zu stärken. Mütter reflektieren das Verhalten des Babys und reagieren entsprechend darauf. Sicherlich ist dies nicht bei allen Müttern der Fall, so kann die ein oder andere Mutter tatsächlich selber keine sichere Bindung erlebt haben oder auch möglicherweise überfordert von einem schreienden oder quengelnden Baby sein. Auch diese Verhaltensweisen und die Folgen werden in diesem Buch thematisiert. 

 

Wie beeinflussen unsere Gene und Umwelteinflüsse das ungeborene Kind? 

Was passiert im Gehirn der Mutter während der Schwangerschaft (und danach)? 

Was bedeutet eine frühe Kita-Betreuung für das Kind? 

Und was ist mit dem Vater? 

Alle diese Fragen (und weitaus mehr) werden in Nicole Strübers Werk ausführlich beantwortet. 

 

Der Vater kommt in diesem Buch wahrlich nicht zu kurz und es ist tröstlich zu erfahren, dass Väter ebenso hormonellen Veränderungen unterliegen und dem Kind auch feinfühlig begegnen können. 

 

Nicole Strüber schafft es, dem Leser ein doch recht komplexes Thema verständlich und spannend zu präsentieren, gepaart mit Studien und kurzen, aber gehaltvoll aufbereiteten Forschungsergebnissen und das auf einem hohen Niveau. Dies geschieht stets ohne Bewertungen oder Verurteilungen und sehr einfühlsam. 

 

Das Buch ist in 7 Kapitel unterteilt, die sukzessive aufeinander aufbauen:

 

1. Einleitung: Was wollen wir?

2. Das Gehirn und das Ich: Ein Überblick

3. Erste Schritte in Richtung Persönlichkeit

4. Das kindliche Gehirn: Wie Bindung die Persönlichkeit reifen lässt

5. Das elterliche Gehirn: Auf Bindung eingestellt

6. Was bedeutet das alles für uns Eltern?

7. Ausblick: Das Bedürfnis des Gehirns nach Bindung und die Gesellschaft

 

Jedes Kapitel wird nochmals kurz zusammengefasst, bevor es ans nächste Kapitel geht.

 

Für mich persönlich ziehe ich die Erkenntnis, dass ich meinem Baby, welches in ein paar Monaten zur Welt kommen wird, das geben werde, was es am meisten braucht: Liebe, Sicherheit, Trost, also eine sichere Bindung! Das ist kein Hexenwerk und wird meinem Kind so viel Wichtiges mit auf den weiteren Lebensweg geben. 

Das Schöne dabei ist: ich gehe mit weniger Angst in die Mutterschaft und dafür danke ich der Autorin von Herzen. 

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für werdende Eltern sein! 

 

***** 5 von 5 Sterne

 

Die Autorin: 

Dr. Nicole Strüber ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen. Sie studierte Neurobiologie und Psychologie und promovierte 2012 im Bereich der Entwicklungsneurobiologie.

Sie hat gemeinsam mit Gerhard Roth das erfolgreiche Sachbuch »Wie das Gehirn die Seele macht« veröffentlicht.

 

Das Buch kann u.a. hier erworben werden:

Klett-Cotta

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