Der Pfau

Der Pfau

Isabel Bogdan

Verlag Kiepenheuer & Witsch

Erschienen: September 2017

Seiten: 247

ISBN: 978-3-458362975

Gebunden: 18,99 €

Taschenbuch: 10,00 €

 

"Einer der Pfauen war verrückt geworden."

 

"Ein charmant heruntergekommener Landsitz in den schottischen Highlands, eine Londoner Investmentbankertruppe zum Teambuilding - und ein durchgedrehter Pfau, der bei blau nur noch rotsieht und dadurch ein Geschehen in Gang setzt, dass alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt." 

 

Ein leicht verfallenes Anwesen in den schottischen Highlands, bewohnt von Lord und Lady McIntosh. Er seines Zeichens Altphilologe und sie Diplom-Ingenieurin. Das Anwesen ist groß, umgeben von einem riesigen Grundstück und mehrerer kleiner Häuser/Cottages, die durch die beiden Besitzer an Urlauber vermietet werden, um die Kosten des nicht grade sehr modernen Anwesens zu decken. 

Ein paar tierische Bewohner gibt es auch, so zum Beispiel Gänse und Pfauen. Darunter ein Pfau, der urplötzlich etwas aus der Art schlägt und alles, was blau ist attackiert. 

 

An einem Wochenende mietet sich eine Investmentbankertruppe samt Psychologin und eigener Köchin zum Teambuilding in den Westflügel des Anwesens ein. 

Die Maßnahmen zum Teambuilding fruchten nicht wirklich, alle sind recht unmotiviert und wären lieber in einem warmen, modernen Hotel statt auf diesem abgelegenen Landsitz, auf dem sie auch noch aufgrund plötzlichem Schneefalls festsitzen. 

 

Zu Beginn stellt der rasende Pfau, der auf alles Blaue losgeht, noch nicht wirklich ein so großes Problem dar. Bisher gelang es den Gutsherren immer, die Schäden, die er angerichtet hat, zu vertuschen. Lord McIntosh versucht mehr schlecht als recht, den Pfau vom Anwesen und den Gästen fernzuhalten.

Als jedoch die Chefin der Investmentbankertruppe im blauen Sportwagen vorfährt und der Pfau dann doch in einem unbeobachteten Moment den Kotflügel des Wagens zerdeppert, bleibt Lord McIntosh keine andere Wahl, als den Vogel zu erschießen und im Wald zu verbuddeln, damit es niemandem auffällt. 

 

Das setzt lustige Verwicklungen in Gang und man kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr raus. Am Ende gar musste ich laut lachen, es war urkomisch. 

Die Charakterzeichnungen sind herrlich. Sei es der etwas schrullig wirkende Lord, die versierte Lady, die mal eben die Elektrik überbrückt, die nervige Chefin der Investmentbanker oder die Köchin, die es kulinarisch mal so richtig drauf hat. ;-) 

Der Schreibstil ist sehr lesefreundlich, kurz, knackig, es bleibt dennoch nichts offen. Vor allem das "zwischen den Zeilen" ist der Autorin wunderbar gelungen. 

 

Dieses Buch macht einfach Spaß! Es ist vergnüglich, unterhaltsam und beschert dem Leser ein paar schöne Stunden. Es ist gute Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. Dieses Buch hat gar nicht den Anspruch einer hochtrabenden, literarischen Komödie. Daher verstehe ich die reichlichen negativen Bewertungen für dieses Buch nicht. 

Offenbar ist dieses Buch nicht für jeden geeignet. Aber dennoch ist es interessant, die Bewertungen mal aus meiner Sicht als Leser (anglophil, für britischen Humor offen) zu hinterfragen: haben die Leser mit den schlechten Bewertungen keinen Humor? Keinen Feinsinn für die "Zwischenzeilen"? Es mutet fast so an. Vielleicht, wie gesagt, ist dieses Buch einfach nicht für jedermann. Für mich jedenfalls war es was :-).

 

**** 4 von 5 Sterne

 

Die Autorin: 

 

Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Sie verfasste zahlreiche Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. 2011 erschien ihr erstes eigenes Buch, »Sachen machen«, bei Rowohlt, außerdem schrieb sie Kurzgeschichten in Anthologien. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung und 2011 den für Literatur. 2016 erschien ihr Roman »Der Pfau«, der ein Bestseller wurde.


 

Coverabbildung, Einleitungstext und Autorenportrait:

© 2016, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

Covermotiv © ontran ontran - Fotolia.com 

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