Die Kinder hören Pink Floyd

Die Kinder hören Pink Floyd

Alexander Gorkow

Verlag Kiepenheuer & Witsch

Erschienen: Februar 2021

Seiten: 192

ISBN: 978-3-462052985

Gebundene Ausgabe: 20,00 €

 

 

"Schau in die Welt, Junge, nicht in den Himmel!

 

Die 70er-Jahre. Eine Vorstadt. Das Westdeutschland der letzten Baulücken, der verstockten Altnazis, der gepflegten Gärten. Die Kriegsgräuel sind beiseitegeschoben, zum Essen geht es in den Balkan Grill, die Einbauküche daheim überzeugt durch optimale Raumnutzung. Für den 10-jährigen Jungen aber ist es eine Welt der Magie, der geheimen Kräfte, des Kampfs des Bösen gegen das Gute. Der Leitstern des Jungen in diesem Kampf ist die große Schwester – das Kind Nr. 1 der Familie. Sie ist herzkrank und sehr lebenshungrig. Mit trockenem Humor und großer Aufsässigkeit stemmt sie sich gegen alle Bedrohungen, nicht zuletzt mithilfe der vergötterten Band Pink Floyd aus dem fernen London, den Kämpfern gegen das Establishment, deren Songs alles zum Glänzen bringen."

 

Ein 10-jähriger Junge (dessen Name der Leser nie erfährt) lebt mit seiner Familie in Düsseldorf. Da ist der kettenrauchende Vater, die Quitten einkochende Mutter und die ältere, herzkranke Schwester. Es sind die 70er Jahre.

Der Junge geht zur Schule, kriegt sie regelmäßig von den Schulhofschlägern drauf, stottert und sitzt in der Klasse neben "Hubi", der Trisomie 21 hat. 

Ginge es nach den Ärzten, so sollte die Schwester aufgrund des kranken Herzens schon lange tot sein. Sie denkt nicht mal dran zu sterben, sie kämpft mithilfe der Band Pink Floyd gegen das Establishment, der politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich einflussreichen Oberschicht.

 

Beschrieben wird vornehmlich der Alltag und die Gedankenwelt des Jungen, seine Tagträumereien. Beeinflusst von seiner meinungsstarken Schwester, die ihm gruselige Geschichten über die Monster des Establishments erzählt, fängt er ebenso an, Pink Floyd zu hören und gegen das Establishment aufzubegehren. Wenn auch nur vor dem heimischen Plattenspieler. 

 

Vorweg: ich liebe Pink Floyd! Bei dem Titel und dem tollen Cover (manchmal ist weniger mehr und dieses Cover ist in seiner Schlichtheit ausnehmend schön) musste ich dieses Buch einfach lesen. 

 

Aber: ich habe mich schwer getan. Es ist kurz und innerhalb von zwei Tagen hatte ich es durch. Aber der Funke sprang erst nach 120 Seiten über! Da wurde es für mich interessant und der Epilog hat mir dann sehr gut gefallen. Die Textpassagen der Songs von Pink Floyd waren für mich ein Highlight, so hatte ich die Songs immer in den Ohren und die Band stets vor Augen. 

Ich habe zwischendurch gedacht, dass die Gedankenwelt des Jungen in meinen Augen total abstrus ist und die ältere Schwester, pardon, nur Sch..... redet. Um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen. Am Ende verstehe ich es! Am Ende leuchtet es mir alles ein.

Auf den ersten 120 Seiten war ich jedoch echt ein wenig enttäuscht. Ich bin vielleicht auch einfach zu jung (Baujahr 77), um das Gefühl der 70 er nachvollziehen zu können. Ich bin in der poppigen Welt der 80 er und 90 er bewusst aufgewachsen. Für mich war da kein Wiedererkennungswert, kein Verständnis für die Seele der Zeit. 

 

Auch, wenn es nicht klar erkennbar ist, denke ich, dass es ein autobiografischer Roman des Autors ist. Und der Epilog hat mich neugierig auf das ein oder andere seiner Werke gemacht. Ich möchte ihm den Erfolg mit diesem Buch gar nicht streitig machen, er ist sicherlich verdient. Aber es ist nicht MEIN Buch. Es ist nicht MEINE Zeit. Ein kleiner enttäuschter Beigeschmack bleibt bei der Lektüre, obwohl ich froh bin, es gelesen zu haben. Denn es wirkt erst im Nachgang. 

Daher leider nur 3 von 5 Sternen. Und es tut mir fast in der Seele weh, weil ich dem Autor wahrscheinlich nur aufgrund meines Alters nicht gerecht werde. :-( Lieber Alexander Gorkow, es tut mir leid!

Gut, dass ich kein weltbekannter Literaturkritiker bin und niemand auf mich hört. :-) 

 

*** 3 von 5 Sterne

 

Der Autor: 

 

Alexander Gorkow, geboren 1966, arbeitet seit 1993 bei der Süddeutschen Zeitung. Buchveröffentlichungen: »Kalbs Schweigen« (2003), »Mona« (2007), »Draußen scheint die Sonne. Interviews« (2008), »Hotel Laguna« (2017). Als Herausgeber: Till Lindemanns »In stillen Nächten« (2013) und »100 Gedichte« (2020).


 

Coverabbildung, Einleitungstext und Autorenportrait: 

© 2021, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

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