Die nicht sterben

Die nicht sterben

Dana Grigorcea

Penguin Verlag

Erschienen: März 2021

272 Seiten

ISBN 978-3328601531

Gebunden: 22,00 €

 

"B. ist eine kleine Stadt in den Bergen, an der Grenze zu Transsilvanien. Eine junge, in Paris ausgebildete Künstlerin verbringt hier ihre Sommerferien in der Villa ihrer Großtante. Sie liebt die Natur, die bukolische Landschaft und das einfache Leben der Einheimischen.

Was sie lange Zeit nicht wahrhaben will, sind die sozialen Abgründe, die Perspektivlosigkeit und Verzweiflung ihrer Freunde. 

Das Unheil aber kommt mit dem Fund einer Leiche - übel zugerichtet wie vom Fürsten der Finsternis."

 

Eine junge Frau aus Bukarest, die in Paris Kunst studiert hat, berichtet von ihrer Heimkehr in ein Dorf in Transsilvanien. Sie berichtet aus der Ich-Perspektive und nennt das Dorf einfach nur B.

Ihre Großtante Margot, gehört eher zur besser gestellten Gesellschaft und neben ihrem offenen Geist bietet sie allen auch ein offenes Haus. 

Margot und ihre Freunde erzählen von ihren Erlebnissen zu Zeiten des Ceaușescu-Regimes und ihre Großnichte saugt alles wie ein Schwamm auf. Sie ist von den fehlenden Perspektiven ihrer Freunde und der Bewohner von B. bestürzt.

Als durch ein tragisches Unglück ein Familienmitglied ums Leben kommt und in der Familiengruft in B. beigesetzt werden soll, stellt sich durch eine Verkettung diverser Umstände heraus, dass die junge Studentin und ihre Großtante Nachfahren des Grafen Dracula sind.

 

Kenntnisreich, sehr bildhaft und historisch dicht gewebt verflechtet die Autorin fortan die Geschichten und Legenden des Grafen Dracula mit der Gegenwart. 

Von detaillierten Beschreibungen des Pfählens bis hin zu den Mythen rund um den blutsaugenden Vampirfürsten zeichnet die Autorin ein wunderbares Bild der Menschen und politischen Zustände in der ländlichen Walachei.

Ja, es ist politisch, war der Sozialismus in Transsilvanien doch allgegenwärtig und teils tief in den Menschen verankert. 

 

Der Schreibstil ist anspruchsvoll, die Autorin hat ein wunderschönes Sprachbild, kunstvoll und facettenreich. 

Es gab jedoch eine Passage, die mich etwas ratlos zurückgelassen hat. Plötzlich sind die Sinne der Protagonistin geschärft, sie nimmt die kleinsten Begebenheiten wahr. Die Beschreibungen erinnerten mich (naheliegend) stark an die Vampirromane, die ich bisweilen verschlinge. 

Ich dachte, ich hätte etwas überlesen, den Moment des "von einem Vampir gebissen werden".

Aber dem war nicht so.

Fortan war meine Phantasie gefordert und als ein Leser, dem man bestenfalls alles genau erklärt (hier gibt es ein Augenzwinkern ;-) ), war ich dann erst einmal ein wenig irritiert.

 

Die nicht sterben ist kein klassischer Unterhaltungsroman für kurzweilige Stunden am Strand. Es ist ein anspruchsvoller Roman mit der wichtigen Thematik des Sozialismus-Regime und des historischen Erbes rund um den Fürsten der Finsternis. 

Man könnte ihn ansatzweise als Vampirroman bezeichnen, aber damit wird man ihm nicht gänzlich gerecht. 

 

**** 4,5 von 5 Sterne

 

Die Autorin: 

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie studierte Germanistik und Niederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der schweizerisch-rumänischen Schriftstellerin, etwas der Roman "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" und die Novelle "Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen", wurden in mehreren Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.


Coverabbildung, Einleitungstext und Autorenportrait:

©2021 Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München

 

Ich danke dem Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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