Frühling

Frühling

Ali Smith

Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: März 2021

320 Seiten

ISBN: 978-3630875804

Gebunden: 22 €

 

"Frühling, die Kraft, die verbindet und wandelt: Was verbindet einen unbekannten Regisseur, der um verlorene Zeiten trauert, und die Angestellte eines Flüchtlingszentrums, die in modernen Zeiten gefangen ist? Was haben Katherine Mansfield und Rainer Maria Rilke mit Twitter und Fake News zu tun? Und warum schafft es ein 12-jähriges Mädchen, verkrustete Strukturen zu sprengen und allen die Augen zu öffnen? Ali Smith erzählt die unmögliche Geschichte einer unmöglichen Zeit und stößt in einer Welt, die zunehmend von Mauern und Schließungen geprägt ist, eine Tür auf. Frühling, die Zeit der Hoffnung."

 

Im dritten Teil des Jahreszeitenfrühlings (siehe auch meine Rezensionen zu "Herbst" und "Winter") erfahren wir in zwei Erzählsträngen von der tiefen und besonderen Freundschaft zwischen Richard, einem Regisseur und Paddy, einer Drehbuchautorin und ihren letzten Gesprächen. Sie sind fasziniert von der Tatsache, dass sich Katherine Mansfield und Rainer Maria Rilke mal gleichzeitig an einem Ort befanden, ohne sich jedoch zu treffen. 

Paddy stirbt und das stürzt Richard in eine tiefe Sinnkriese.

Er verliert seinen Lebenswillen und setzt sich in einen Zug Richtung Norden, um dort seinem Leben ein Ende zu setzen.

 

Brit arbeitet in einem "Internierungslager" für Flüchtlinge, denn letztlich ist es nichts anderes. Unter Unmenschlichen Bedingungen werden sie dort auf unbestimmte Zeit eingesperrt, bis darüber entschieden wird, was mit ihnen geschieht. 

Sie trifft auf die 12-jährige Florence, die sie dazu bringt, ebenfalls mit ihr in den Zug nach Norden zu steigen.

Ihr Weg kreuzt sich mit Richards und alles wird plötzlich anders.

 

Die Autorin hat es mal wieder geschafft, mit ihrem Werk eine Kunstform zu schaffen. Sie beleuchtet auf subtile Weise die Gegenwart (vor allem auf politischer Ebene) aus Sicht der Kreativen (hier in Form der Filmemacher), aber auch durch die Augen von Betroffenen der Flüchtlingskrise und den Umgang mit ihr. 

Ihre persönliche Kritik am System ist deutlich herauszulesen, zuweilen provokativ, aber effektvoll, nachvollziehbar. Hier ist auch unterschwellig der Brexit wieder ein Thema und die Lage der Nation, nicht nur politisch, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene.

 

Trotz der Trauer und düsteren Stimmung, die sich durch das Buch zieht, spürt man deutlich die Hoffnung auf einen Neuanfang. Und das bei allen Beteiligten.

Eine anrührende Geschichte, die Augen öffnet, kritisch hinterfragt und den Leser nachdenklich zurück lässt. 

 

**** 4 von 5 Sternen

 Die Autorin:

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten.

Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt.

Ihr Roman »Beides sein« wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit »Herbst« kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste.


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